Christian Strassl: Das Auge von Wels

Obwohl meist hinter einem Fotoapparat oder einer Videokamera versteckt, ist das Gesicht von Christian Strassl wohlbekannt. Das ist zum Teil natürlich auf seine Profession als Fotograf zurückzuführen, aber auch von vielen Events, wo man ihn mit oder ohne Kamera antrifft.

von Markus Löffler

Christian Strassl hat schon in früher Jugend gelernt, sich entsprechend im kreativen Milieu zu bewegen, und seine unbekümmerte, leichtlebige und unkonventionelle Lebensart soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass er seine zahlreichen Aufträge immer sorgfältig und mit vollem Einsatz erfüllt hat.

Kindheit in der Neustadt
1966 geboren, wuchs er unbeschwert in der Welser Neustadt auf. Als Kind war sein Alltag geprägt von Fußball und Sommerurlauben auf dem großelterlichen Haus in St. Agatha. 1979 bezog die Familie ein Haus in Lichtenegg.

Berufschulstandort: Wien. Beruf: egal.
Die Sehnsucht nach der lebendigen Großstadt brannte in ihm, daher wusste er nach Absolvierung der Hauptschule im verschlafenen Wels zwar noch nicht, welchen Beruf er ergreifen wollte, dafür schon den Berufschulstandort: Wien. Der Beruf des Verpackungsmittelmechanikers erfüllte diese Voraussetzung, und eine namhafte Firma in Gunskirchen suchte zufällig einen Lehrling für diesen Beruf. Strassl wurde fündig. Die Berufschulzeit in Wien war wohl die prägendste Phase in seinem Leben. Strassl fand Anfang der 1980er Jahre schnell Anschluss an die kreative Szene in Wien, da im Berufsschulheim auch Fotografieschüler untergebracht waren. Er sog die Eindrücke der pulsierenden Großstadt wie ein Schwamm auf und nahm neue Trends, Mode und Musik mit ins heimatliche Wels. Und er lernte mit einer Kamera umzugehen.

Fotografenlehre im kreativen Umfeld
Nach abgeschlossener Lehre arbeitete Christian Strassl noch ein Jahr im Beruf, ehe er 1986 eine Ausbildung zum Fotograf bei Foto Leutner in Traun begann. Durch seine damalige Freundin und deren Eltern eröffnete sich ihm ein kreatives Umfeld, das er unter anderen Umständen wohl nicht kennengelernt hätte.

Freddie Mercury und Frisuren
Mit dieser Ausbildung und ausgerüstet mit einer Videokamera fuhr er los und filmte das letzte Queen-Konzert in Wien. Dieses Material ist bis heute nicht veröffentlicht. Danach widmete er sich seiner Ausstellung im Linzer Posthof zum Thema „Fotografie und Frisuren“.

Ausbildung zum Kameramann
1989 machte er sich als Fotograf und Kameramann selbständig, 1996 legte er in Innsbruck die Fotografen-Meisterprüfung ab.

Improvisation, Menschenkenntnis und Frechheit
Die Gabe zur Improvisation, Menschenkenntnis und wohl auch etwas Frechheit sind jene Fertigkeiten, die sich Strassl hinter der Linse selbst angeeignet hat. Zusammen mit der handwerklichen Komponente und einem kreativen Auge bildete das eine solide Ausgangsposition für seinen erfolgreichen Lebensweg mit der Kamera. Strassl betont immer wieder, dass jeder, der vor seiner Kamera steht, ins bestmögliche Licht gerückt wird. Dafür wendet er alle seine Fertigkeiten auf, auch die eingangs erwähnten.

WT1-Start mit Michael Jackson
Als 1996 Michael Jackson ein Konzert in Wien gab, lud er die mit Strassl befreundete Band „Jam 4 More“ als Vorband ein. Dort filmte er zum ersten Mal für den damals neu gegründeten Privatsender WT1. Bekanntlich war das nicht der einzige Auftrag des Senders, bis heute filmt er für das Welser Fernsehen.

Fotostudio und Harley-Davidson-Club
In einem alten Industriegebäude in der Buxbaumstraße fand Christian den perfekten Raum für seine Arbeit. Wegen des loftartigen Charakters und der Größe der Liegenschaft eröffnete er dort neben seinem Fotostudio auch mit seinen Freunden einen Harley-Clubraum, in dem legendäre Partys gefeiert wurden. Passend dazu fuhr er mit anderen Bikern rund ein Monat lang in die USA über die Rocky Mountains ins Harley-Davidson-Werk.

Musikvideos mit Norbert Reichart
Strassl zeigte sich für das Album-Cover der österreichischen Trance-Band Imperio und für diverse Making-Of-Videos des Musik-Produzenten Norbert Reichart verantwortlich. Diese Bekanntschaft mit dem Produzenten sollte Strassl zum schönsten Moment in seiner Laufbahn verhelfen.

Geheime Mission in Monte Carlo
Strassl bekam Jahre später einen Anruf aus Monaco, eben von Norbert Reichart. Er brauche ganz dringend einen Kameramann, der unverzüglich nach Monte Carlo kommen kann, um eine geheime Hollywood-Vorproduktion mit einem Weltstar zu drehen. Name des Weltstars: Sir Roger Moore.

Zwei Tage mit Sir Roger Moore
Natürlich nahm Christian Strassl dieses Angebot an und verbrachte zwei Tage mit dem mittlerweile verstorbenen Schauspieler von Weltformat. Moores trockener britischer Humor und seine professionelle, unkomplizierte, aber auch charmante Art haben ihn tief bewegt. Der Dreh ist quasi Strassls berufliche Sternstunde, auch wenn er vertraglich zu einem 3-jährigen Stillschweigen über die Produktion verpflichtet worden ist.

Aufträge für 3Sat, RTL, ORF, ATV, WT1 und ServusTV
Über die Jahre ist ein wahrlich umfangreiches Portfolio zusammengekommen, von Fotokampagnen oder Image-Filmen regionaler Kunden bis hin zu unterschiedlichen Foto-Dokumentationen, die ihn bis in die USA, Kuba, Thailand, Spanien oder Italien geführt haben. Trotz Zusammenarbeit mit Weltstars hat Christian Strassl noch immer eine Liebe: seine Stadt Wels.