Die alte Einkaufsstadt Wels

Mit der Errichtung der Fußgängerzonen in Schmidt- und Bäckergasse 1977 bzw. 1979 sowie der Schaffung der Bummelzone am Stadtplatz 1985 wurde jener Entwicklung Rechnung getragen, die unter dem Slogan “Wels, die Einkaufsstadt” österreichweit bekannt werden sollte.

Anders als in anderen Städten, wo sich ein bestimmter Straßenzug als Einkaufsmeile etabliert hatte, konnte Wels schon damals eine ganze Innenstadt, bestehend aus KJ-Platz, Ringstraße, Stadtplatz, Pfarrgasse, Bahnhofstraße, Pollheimerstraße und eben den FUZOs in Schmidt- und Bäckergasse vorweisen, in der sich Geschäft an Geschäft gereiht hatte.

Vieles verschwunden
Über die Jahre hinweg haben viele bekannte Welser Geschäfte ihre Pforten geschlossen. Manchen wurde die Konkurrenz der Einkaufszentren, die nach und nach am Stadtrand entstanden waren, zu stark.

Supermarkt vs. Greißler
Zahlreiche Kolonialwarenhandlungen, die die kleinen Greißler in der Innenstadt, aber auch anderswo in Wels beliefert hatten, verloren in der Zeit der Supermärkte ihre Bedeutung, da die kleinen Lebensmittelläden puncto Preis und Sortiment nicht mithalten konnten und schließlich ausstarben. Manche dieser Kolonialwarenhandlungen wie Pfeiffer oder Stadlbauer erkannten die Zeichen der Zeit und konnten im Großhandel Fuß fassen.

Fehlende Nachfolger und steigende Mieten
Andere Geschäftsinhaber fanden keine Nachfolger, daher bedeutete ein verdienter Ruhestand oft auch ein geschlossenes Geschäftslokal. Steigende Mieten bei rückläufigen Einnahmen hatten das gleiche Resultat und setzten der Welser Geschäftsvielfalt merklich zu.

Plastikhaus Glanner
Die mangelnde Kundenfrequenz in der Innenstadt führte dazu, dass das bekannte Plastikhaus Glanner an der Ecke Ring/Roseggerstraße 2006 nur drei Jahre nach der Neuübernahme geschlossen wurde. Dieses bekannte Geschäft wurde 1954 am Standort des späteren Traunparks eröffnet und übersiedelte im Zuge der Bauarbeiten Anfang der 80er Jahre zum Standort am Ring.

Gortana und Blaimschein
An die ehemalige Eisenwarenhandlung Gortana am Stadtplatz 43, die bis Mitte der 70er Jahre geöffnet hatte, erinnert heute noch die gleichnamige Einkaufs- und Gastronomie-Passage, die Stadtplatz und Freiung verbindet.

Im Haus Stadtplatz 41, in dem sich heute die Redaktionsräumlichkeiten einer oberösterreichischen Tageszeitung und ein Kaffeehaus befinden, versorgte bis 1970 das Kaufgeschäft Blaimschein seine Kunden mit Artikeln des täglichen Gebrauchs. Die ehemalige Einrichtung des 1912 von den Gebrüder Blaimschein erworbenen Geschäfts ist heute noch im Welser Burgmuseum ausgestellt.

Olympia-Haus des Kindes
In der Schmidtgasse 15-17 war bis 1997 das Kinderausstattungs- und Spielwarengeschäft Olympia der Firma Mühlberger untergebracht, das als Haus des Kindes in den 50er Jahren gegründet worden war. In dem mittlerweile neu erbauten Gebäude gegenüber der Traditionskonditorei Urbann sind unter anderem eine Edelboutique sowie ein beliebtes italienisches Stehcafe untergebracht.

Spielwaren Franzmann
Ein weiteres Spielwarengeschäft, das noch so manchem Welser in Erinnerung sein dürfte, war jenes von Margarethe Franzmann in der Pfarrgasse 13. Das kleine Fachgeschäft wurde Ende 2001 nach 67 Jahren geschlossen, weil der Mietvertrag des Traditionsgeschäfts gekündigt worden war.

Donaukaufhaus
1965 eröffnete auf 2 Etagen und 1500m² das Donaukaufhaus in der Bäckergasse 3. Damals am neuesten Stand der Technik gebaut, wurden die Umsatzerwartungen bei weitem übertroffen und bereits 1970 wurde die Verkaufsfläche verdoppelt und auch die erste Rolltreppe in einem Welser Geschäftslokal eingebaut. 1987 folgte das Kleiderhaus Schöps in die Räumlichkeiten des Donaukaufhauses.

Derflinger Moden
Der bekannte Vöcklabrucker Modehändler Derflinger war lange Jahre mit Filialen für Damen und Herren in der Pfarrgasse 23 und am Stadtplatz 11 vertreten. Der letzte Standort in der Pollheimerstraße 15 war bis zur Schließung 2017 Anlaufstelle für alle jene, die sich bei sachkundiger Beratung zeitlos elegant einkleiden wollten.

Mühlberger
Die Geschichte des Familienunternehmens begann bereits im Jahre 1885, ab 1928 befand sich das Modehaus bereits am bekannten Standort Bäckergasse 2/Ecke Ringstraße. 2000 übersiedelte schließlich Damenmoden Mühlberger in die Pfarrgasse 23, und die schwedische Modekette H&M bezog die Räumlichkeiten im weitläufigen Eckhaus. Mittlerweile befindet sich die traditionsreiche Damen-Boutique in der Ringstraße 35. Auch Olympia-Haus des Kindes in der Schmidtgasse gehörte zu dem Familienunternehmen.

Delikatessen Chalupsky
Vielen Welsern dürfte das Feinkostgeschäft Chalupsky am KJ-Platz 7 noch in lebhafter Erinnerung sein. Obwohl die wahrscheinlich nobelste Kolonialwarenhandlung in Wels, musste sich auch dieses Geschäft den immer zahlreicher werdenden Supermärkten geschlagen geben. Das Geschäftslokal  wurde danach zu einer Nordsee-Filiale, die aber in Wels nicht Fuß fassen konnte. Aktuell befindet sich dort ein syrischer Imbiss.

Juwelier Naderhirn
Bereits 1910 erwarb Gastwirt- und Fleischhauersohn sowie Uhrmachermeister Ferdinand Naderhirn ein kleines Geschäftslokal am Kaiser Josef-Platz und avancierte dank erlesener Auswahl zum gefragtesten Juwelier in Wels. Nachfahre Dino Naderhirn dürfte den Welsern aus anderen Gründen noch ein Begriff sein.

Traunpark
Im Oktober 1982 öffnete auf dem Grundstück des ehemaligen Kapuzinerklosters das Einkaufszentrum Traunpark seine Pforten. Hier wurde auch die österreichweit erste Filiale der Bekleidungskette C&A eröffnet, die Ende 2012 geschlossen wurde. Durch die Eröffnung einer Filiale der Tiroler Supermarktkette MPreis soll der Traunpark noch 2019 wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt werden.

Volksgartencenter
Ebenfalls Anfang der 80er Jahre wurde das Volksgartencenter in der Pollheimerstraße 7 mit der Modekette Hettlage als Zugpferd eröffnet. Die Modekette zog Anfang der 2000er Jahre aus und das kleine Einkaufszentrum wurde als Black Box und als Gerstl-Haus mit eher mäßigem Erfolg weitergeführt. Noch heuer wird die Welser Tanzschule Hippmann dort auf 2000m² die größte Tanzschule Österreichs eröffnen.