Die Welser Pfarrgasse

Pfarrgassen wird man wohl in vielen Städten und Dörfern finden, gerade weil sie immer in der unmittelbaren Umgebung von Kirchen verlaufen. Wels bildet hier keine Ausnahme. Als Besonderheit soll angeführt sein, dass der relativ kurze Straßenzug, der vom KJ zum Stadtplatz führt, früher an beiden Enden eine Kirche vorweisen konnte.

Zwischen den beiden katholischen Gotteshäusern, von denen eines schon lange profanisiert worden ist, fast 80 Jahre als Theater Verwendung fand und mittlerweile das Welser E-Werk beheimatet, hat sich im Laufe der Zeit viel getan. Dieses Gebäude mit der wechselvollen Geschichte befindet sich damit in guter Nachbarschaft.

Das Bürgerspital (Pfarrgasse 1-3)

Diese ca. um 1300 errichtete karitative Einrichtung diente zur Betreuung alter und gebrechlicher Bürger. Dieses Spital finanzierte seine Tätigkeiten aus gestifteten oder durch Spenden erworbenen Haus- und Grundbesitz. Für die Verwaltung des Spitals mit seinem Besitz und für die Einhaltung der Stiftungsbedingungen war ein Spitalmeister als städtischer Beamter verantwortlich. Das Welser Bürgerspital wurde 1784 von Kaiser Joseph II. einschließlich der Bürgerspitalskirche zur Hl. Elisabeth aufgehoben und schließlich profanisiert.

Das Bürgerspital als Theater

In der Zeit von 1829-1904 diente die ehemalige Bürgerspitalskirche als städtisches Theater. Daher wurde die nördliche Pfarrgasse zu dieser Zeit (zwischen KJ und Ring-Straße) in Theater-Straße umbenannt. 1863 wurde das Theater restauriert und verfügte über zwei Galerien und 300 Sitz- und Stehplätze. Gut 40 Jahre später,1904 , sah sich Bürgermeister Dr. Schauer gezwungen, das baufällige Lichtspielhaus zu schließen.

Das Bürgerspital als E-Werk-Zentrale

1923 wurde das Gebäude schließlich vom E-Werk Wels gekauft, welches das ehemalige Bürgerspital als Verwaltungssitz ausgebaut hat. Bis zum heutigen Tag befindet sich die Zentrale des erfolgreichen Welser Unternehmens an dieser Adresse.

Volksbank Wels

Eine Zeile von kleinen baufälligen Verkaufsgeschäften neben dem Spitalhof musste Anfang der 1970er Jahre weichen, um den Bau der Welser Volksbank zu ermöglichen. So wurde das Erscheinungsbild der Pfarrgasse drastisch geändert. Silvester 1997/98 wurde das Bankgebäude ein Opfer der Flammen: Eine Silvesterrakete hatte ein Kunststoff-Kuppeldach schmelzen lassen und so den Brand verursacht. Das Volksbank-Gebäude konnte nicht mehr gerettet werden und musste wieder neu aufgebaut werden.

Buchhandlung Friedhuber

Eines der markantesten Gebäude in der Pfarrgasse ist wohl das Eckhaus Pfarrgasse 11/ Ring-Straße 41. Seit über 70 Jahren befindet sich hier die Buchhandlung Friedhuber, die bereits in der dritten Generation als Familienbetrieb geführt wird. Älteren Welsern ist dieses Haus auch als Falkensammer-Haus ein Begriff, da es lange im Besitz der bekannten Welser Bürgerfamilie stand.

Das Kaiserliche Hofspital (Pfarrgasse 15)

Dieses sehr weitläufige Gebäude im Südteil der Pfarrgasse wurde erstmals 1382 urkundlich erwähnt. 1686 wurde das angrenzende Ratsdienerhaus samt des zugehörigen Gartens angekauft, um das kaiserliche Hofspital zu erweitern. 1786 wurde das Hofspital aufgelöst und 1788 versteigert. 1964 wurde ein zweiter Stock aufgebaut, dem leider die Ecktürmchen und ein historisches Grabendach zum Opfer fielen. Heutzutage sind zahlreiche Arztpraxen sowie Anwaltbüros im Innenhof eingemietet.

Hafnerei Tschuden (Pfarrgasse 17)

Das zurückgesetzte Haus der Hafnerei Tschuden befindet sich im südlichen Bereich der Pfarrgasse. Dadurch ist ein kleiner, markanter Platz geschaffen worden, der im Volksmund auch Hafnerwinkl genannt wird. Bereits seit Beginn des 16. Jahrhunderts waren hier unterschiedliche Hafnermeister am Werk. 1909 übernahm ein gewisser Matthäus Tschuden den Betrieb und wurde Namensgeber.

Gasthaus Pabst (Pfarrgasse 30)

Auch wenn die Pfarrgasse ein relativ kurzer Straßenzug ist, durfte auch hier kein Wirtshaus fehlen, in das man einkehren und in dessen Gastgarten im Innenhof man verweilen konnte. Letzterer gab der Gastwirtschaft auch den Beinamen Gasthof zum Weingartl. Obwohl Küche und Keller längst geschlossen sind, steht der Name Gasthaus Pabst noch in großen Lettern und gut sichtbar auf der Außenwand.

Das Amtsgebäude II (Pfarrgasse 25)

Wo heute Beamte und Politiker in einem aus Platzgründen notwendig gewordenen Nebengebäude der öffentlichen Verwaltung ihre Arbeit verrichten, wurde vom 19. Jahrhundert an eine Mädchenschule geführt, die erst 1938 geschlossen wurde. Das Gebäude ist auch als Regens Chori-Haus oder als Hohenfeldisches Benefiziatenhaus bekannt.

Die Katharinenkapelle

Vieles in der Pfarrgasse hat im Laufe der Zeit den Verwendungszweck geändert, manches musste weichen und ist daher in Vergessenheit geraten. Zu letzterem gehört die Katharinenkapelle, die sich zwischen der Stadtpfarrkirche und der ehemaligen Mädchenschule (Amtsgebäude II) auf dem Gelände des alten Friedhofs befand, ehe sie 1785 profanisiert wurde. Danach wurde sie als Getreidekasten verwendet. Ende 1896 wurde die kleine Kapelle abgerissen.

Die Stadtpfarrkirche

Die älteste Kirche von Wels und quasi die Namensgeberin der Pfarrgasse wurde erstmals 888 von König Arnulf von Kärnten urkundlich erwähnt. Ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde die Kirche immer wieder, dem vorherrschenden Baustil entsprechend, umgebaut und adaptiert. So finden sich in diesem Gotteshaus romanische, gotische, barocke sowie neugotische Elemente wieder, welche nach einem gut 700-jährigen Schaffensprozess das heutige Bild der Stadtpfarrkirche prägen. Seit 2017 steht der junge bosnisch-stämmige Pfarrer Niko Tomic der Pfarre vor, der zuvor als tatkräftiger Kaplan in der Pfarre Hl. Familie tätig war.