Hermann Wimmer – Politiker mit Ecken und Kanten

Jahrelang war er eine fixe Größe in der Welser Stadtpolitik, er war einer der Gründer des Kulturvereins Alter Schlachthof, aus dem sich das gleichnamige Welser Kulturzentrum entwickeln sollte, seine politische Karriere umfasste so ziemlich jedes Amt, das die Welser Sozialdemokratie zu bieten hatte: Hermann Wimmer.

2016 zog er sich aus der Politik zurück, um den neuen Lebensabschnitt Ruhestand zu erkunden. Das Amt des Welser Messe-Präsidenten, das er ebenfalls seit 2016 bekleidet, ist somit das letzte bisschen Öffentlichkeit, das er sich noch gönnen will.

Eine Jugend in Lichtenegg
Dem 1953 in Wels geborenen Hermann Wimmer wurde die Sozialdemokratie quasi in die Wiege gelegt. Beide Großväter waren bei der Eisenbahn tätig, damals ein sozialdemokratisches Adelsprädikat, sein Vater war C-Beamter in der oberösterreichischen Landesregierung.

Im Stadtteil Lichtenegg aufgewachsen, wurde er schon in Kindertagen mit der relativen Armut der benachbarten Baracken des 1000er Lagers konfrontiert. Er spielte regelmäßig mit Schulfreunden aus dem Lager Tischtennis und Fußball, so lernte er auch den bekannten Flüchtlingspfarrer Stephan Macsady kennen.

Lehre, Berufsreife, Jus-Studium
Nach Besuch von Gymnasium und Handelsschule ging er zum Welser Magistrat in die Abteilung Buchhaltung, über die Gewerkschaftsjugend fand er schließlich zur SPÖ. In seiner Zeit am Magistrat absolvierte er die Berufsreife und begann auch ein Jus-Studium, das er jedoch aufgrund seines beruflichen sowie politischen Werdegangs nicht abgeschlossen hat.

Wimmer und die Politik
1986 wurde er in den Gemeinderat gewählt und zum Büroleiter des damaligen Bürgermeisters Karl Bregartner ernannt. 1999 kam er in den Stadtsenat, ein Jahr darauf übernahm er das Finanzressort, das er bis zum Ausscheiden aus der Politik innehatte. Gemeinderat, Stadtrat, Vizebürgermeister waren Stationen seiner politischen Karriere, das Vize- konnte er bei der Wahl 2015 leider nicht wegstreichen.

Wimmer und der Alte Schlachthof
Hermann Wimmer war einer der Initiatoren des 1. Welser Kultur- und Friedensfests, aus dem schließlich der Verein Kulturinitiative hervorging, dem 1985 Räumlichkeiten im leerstehenden städtischen Schlachthof zur Verfügung gestellt worden waren. Durch den Erfolg wurde nach und nach das gesamte Areal dem Verein überantwortet, dessen erster Obmann Wimmer auch wurde.

In dieser Funktion stand er dem Verein Alter Schlachthof immerhin 15 Jahre vor. In dieser Zeit wurden auch große Konzerte nach Wels geholt, unter anderem die Dire Straits oder Roger Whitaker. Die Haftungsfragen bei Konzerten dieser Größenordnung bedeuteten dann aber leider das Aus für die beginnende Etablierung von Wels als Konzertstadt.

Wiederbelebung von Wels als Konzertstadt
Als Messe-Präsident sieht Wimmer in der Veranstaltung von Großkonzerten aktuell ein Zukunftssegment der Welser Messe. Eine entsprechende Adaptierung der Hallen, eine Stadtpolitik, die an solchen Veranstaltungen interessiert ist, aber auch die Gründung der Welser Veranstaltungs GmbH WEVA, die eben Sänger und Bands von Weltformat verpflichten kann, sind für ihn eine gute Ausgangsposition, um Wels als Konzertstadt wiederzubeleben.

Wimmer im RuhestandNach seinem Leben auf dem politischen Parkett genießt Hermann Wimmer seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit. Langeweile kommt nie auf: Als leidenschaftlicher Motorradfahrer wurde er- laut eigener Aussage- überzeugt, sich eine Harley Davidson zuzulegen. Mit dieser konnte er sich letztes Jahr auf einer 4-wöchigen Ausfahrt auf der Route 66 einen Lebenstraum erfüllen. Auf seiner E-Glide fuhr er auch schon die rund 6000 km-Tour Wels-Nordkap-Wels.

Motorradmesse zum 25-jährigen Dienstjubiläum
Seinem persönlichen Engagement ist es zu verdanken, dass gerade rechtzeitig zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum in der Messe Wels Österreichs Motorrad- und Rollermesse moto-austria im Februar 2020 Premiere feiern wird.

Wimmer als Genussmensch
Eine treue Gefährtin hatte Hermann Wimmer wohl in allen Lebenslagen, die gleiche wie ein mittlerweile verstorbener deutscher Altkanzler oder der amtierende österreichische Bundespräsident: die Zigarette. Diesen kleinen Akt gesellschaftlicher Rebellion hat sich Wimmer zeit seiner politischen Laufbahn nicht nehmen lassen und tut es auch heute nicht. Recht hat er.