Karoline Prinz und die Mode

Karoline Prinz ist so etwas wie eine Self-Made-Woman. 1956 im beschaulichen Waldviertel geboren, machte sie sich bereits mit 22 Jahren selbstständig und ließ mit 28 Jahren Röcke aus selbst importierten italienischen Stoffen produzieren. Schon mit 23 Jahren kam sie nach Wels – ohne ihre Wahlheimatstadt hätte sie nie so großen Erfolg gehabt, wie sie sagt.

Das Modegeschäft Capri in der Pfarrgasse besticht mit einer riesigen Auslage. Angekommen im großräumigen Laden kommt der Kundschaft eine Dame mit weißen, meist etwas zerzausten Haaren entgegen: Karoline Prinz. Sie ist die wohl meistunterschätzte Modeunternehmerin der Stadt. Ihr Modegeschäft ist ihr Hobby – eigentlich hätte sie schon lange in Pension gehen können.  Hinter ihr liegt eine lange Karriere als österreichweit branchenbekannte Modevertreterin und – produzentin.

Mode im Blut

Ursprünglich kommt die Tochter eines Kartoffel- und Gemüsebauern aus Friedreichs, einem verschlafenen Nest im Waldviertel. Bereits als Kind saß sie an Mamas Nähmaschine und fertigte begeistert Gewand für ihre 6 Geschwister. Es war schon früh klar, dass sie nicht ihr ganzes Leben am Bauernhof verbringen wird. Anfang der 70er begann sie eine Lehre im örtlichen Gemischtwarenladen. Ihr Lehrbetrieb, das Kaufhaus Walenta, war Nahversorger in allen Bereichen: von Lebensmitteln, Baustoffen, einer Tankstelle bis hin zu Bekleidung. Die junge Karoline fiel dem Chef schon damals als talentierte Verkäuferin auf. Trotzdem wechselte sie nach ihrem Lehrabschluss als Einzelhandelskauffrau in eine große Kremser Modeboutique. Wenn damals die Textilvertreter mit den neuen Waren ins Geschäft kamen, glänzten ihre Augen besonders. Doch als kleine Verkäuferin hatte sie nicht viel zu sagen. Meist musste sie den Boden kehren, während sich der Chef mit den Großhändlern unterhielt.

Von der Verkäuferin zur Vertreterin

Im Kremser Modehaus wurde Karoline Prinz schnell unglücklich. Der Verdienst war niedrig und sie konnte ihre Ideen nicht einbringen. Als junge Frau, die eigene Ideen hatte, war im tiefen Niederösterreich auch nicht viel Platz. Ihre Schwester kam eines Tages mit der Zeitung in der Hand zu Karoline und zeigte ihr ein Stellenangebot, bei der ein Wiener Modegroßhändler eine Vertreterin suchte. Ohne lange nachzudenken bewarb sie sich und bekam den Job. 

»Wels war für mich wie New York.«

Mit 23 Jahren war Karoline nun eine frischgebackene Modevertreterin für ganz Österreich. Einen Blick auf die Autobahnkarte zeigte ihr einen Ort, der am zentralsten in Österreich ist: Wels.

Neben dem praktischen Nutzen entkam sie mit einem Umzug nach Wels auch der Waldviertler Provinz. Das Wels Ende der 70er-Jahre boomte und war eine der Einkaufsstädte in Österreich. Karoline erinnert sich: „Ich stand da mit meinem Köfferchen am KJ und wusste, dass Wels meine Stadt ist.“ Anfangs wohnte sie in einem kleinen Zimmer in Untermiete, ein paar Monate später bezog sie ihre Wohnung in der damals begehrten Noitzmühle. Wels war für sie die Offenbarung, wie sie selbst sagt: „Wels war für mich das, was für den jungen Arnold Schwarzenegger New York war. Die Leute waren so ganz anders als im Waldviertel. Die Welser waren offen, kommunikativ. Keiner hat sich versteckt, man hat sich gerne gezeigt. Es war immer ein Trubel in der Stadt. Die Geschäfte brummten. Ich war angekommen.“

Von der Vertreterin zur Produzentin

Die geschäftige Welser Mentalität war für Karoline Prinz Antrieb und Motivation. Bald war sie für mehrere Firmen österreichweit als selbstständige Handelsvertreterin unterwegs. Das Geschäft ging so gut, dass sie eines Tages selbst nach Italien fuhr und mit einem voller Stoffe beladenen Kofferraum zurückkam. In Lohnwerkstätten ließ sie die Stoffe zu Röcken verarbeiten, die sie anschließend an Modehäuser verkaufte.

Die Capri-Hose

Als in den 90ern Röcke immer weniger im Trend waren, konzentrierte sie sich ab nun auf Frauenhosen. Sie holte Stoffe aus Italien  und brachte sie wieder in österreichische Auftragsnähereien, um fertige Hosen schneidern zu lassen. Um die Kundenbindung zu steigern, versah sie die Etiketten mit der Aufschrift „Capri“. Der Name sollte die italienische Herkunft andeuten und war gleichzeitig das Kürzel ihres Namens, wenn auch mit C anstatt K. 

Vom Outlet zur Boutique

2008 dachte Karoline bereits über ihre bevorstehende Pension nach. In ihrem Haus in Puchberg bewohnte sie den ersten Stock, im Erdgeschoß stapelten sich Capri-Hosen und Unmengen an Viscose-T-Shirts, welche sie auch in ganz Österreich erfolgreich verkaufte. Um das Lager zu räumen, mietete sie einen 50m2-Verkaufsladen in der Pfarrgasse 21. Das Outlet wurde unter den Welser Damen schnell zum Geheimtipp. Bald kaufte Prinz für ihre Kundschaft wieder mehr Waren ein, als sie eigentlich abverkaufen wollte. Aus der Vorbereitung zur Pension wurde eine neue Lebensperiode als Boutiquenbesitzerin.

Kauf der alten Handels- und Gewerbekasse

Das kleine Geschäft platzte bald aus allen Nähten. Einige Häuser weiter stand die alte Zentrale der Handels- und Gewerbekasse (heute Volksbank) zum Verkauf.

Frau Prinz schlug zu und kaufte das Objekt Pfarrgasse 16, in dem sie ihr heutiges Geschäft im Erdgeschoß auf 200m2 führt. Im ersten Stock, wo früher die Bankdirektoren ihren Besprechungssaal hatten, finden heute Veranstaltungen statt. Das Haus saniert sie liebevoll in kleinen Schritten. Neben hochwertiger und eleganter Kleidung bietet sie auch erlesene Weine und Spirituosen an. So viel Niederösterreich hat sie sich behalten. 

 

Das Haus Pfarrgasse 16

Das Haus Pfarrgasse 16 war die alte Zentrale der heutigen Volksbank. Auch ein Caféhaus und zwei Schuhläden beherberte es.Ein kleiner Rundgang in den alten Gemäuern.

Gepostet von Die Monatliche am Samstag, 9. Juni 2018