Rabl: „War nie in einer Burschenschaft.“

Die FPÖ hatte bei den Nationalratswahlen Verluste von knapp 10 Prozent. Der Ibiza-Skandal und die Spesenaffäre waren der Super-GAU für die Blauen. Aus diesem Grund wurde eine Zukunftsgruppe unter der Leitung von Bürgermeister Andreas Rabl eingerichtet. Wir haben den „Reformator“ getroffen und über die Bundes-FPÖ und die Stadt Wels gesprochen.

Herr Dr. Rabl, Sie leiten künftig die Arbeitsgruppe „Zukunft“ in der FPÖ. Was konkret wird dort passieren?

Die FPÖ hat durch die Affären der Vergangenheit massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Aber, wir haben die Botschaft der Wähler verstanden. Es geht jetzt einerseits darum, der Partei strenge Wohlverhaltensregeln aufzuerlegen, weil wir die sauberste Partei werden wollen. Anderseits geht es darum die Partei nach innen und außen zu erneuern. Wir treten aber weiterhin für eine strikte Asyl- und Integrationspolitik, für eine Entlastung der Bürger und eine strenge Sicherheitspolitik ein. 

Wie sieht der Fahrplan aus?

Die Zukunftsgruppe wird bis Mitte Dezember ein Strategiepapier erarbeiten, das in der Folge im Bundesparteivorstand diskutiert wird. 

Welche Themen werden für die FPÖ in der Zukunft von zentraler Bedeutung sein?

Die FPÖ wird ihrer bisherigen Linie treu bleiben. Wir treten weiterhin für unsere Heimat ein und werden uns auch in Zukunft gegen eine Islamisierung unserer Gesellschaft aussprechen. Wichtig ist aber vor allem die Bürger zu entlasten. 

Auch im Bereich der Sicherheit gibt es nach wie vor großen Aufholbedarf. Daneben möchten wir uns mehr um Familien und Kinderbetreuung kümmern und Klimapolitik mit Hausverstand machen. 

Ich war nie bei einer Burschenschaft. Das hat für mich zeitlich einfach nicht gepasst.


Viele Parteimitglieder und Funktionäre der FPÖ sind Mitglied bei einer Burschenschaft. Sie selbst waren nie bei einer Burschenschaft? Warum?

Das hat für mich einfach zeitlich nicht gepasst, weil ich mich schon sehr früh für Politik interessiert und auch engagiert habe. Die pauschale Verurteilung der Burschenschaften lehne ich aber ab. Großartige Persönlichkeiten der Vergangenheit und Gegenwart, wie beispielsweise auch Viktor Adler, Begründer der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, waren Burschenschafter. Ich halte daher auch die ständige Abqualifizierung von Persönlichkeiten alleine aufgrund ihrer Mitgliedschaft bei einer Burschenschaft für zutiefst verwerflich. Niemand darf im Rahmen des Verfassungsbogens wegen seiner Zugehörigkeit zu einem Verein vorverurteilt werden.

Schauen wir nach Wels. Der Klimawandel ist derzeit so präsent wie schon lange nicht mehr. Die Grünen kritisieren Ihre Klimapolitik heftig und werfen Ihnen vor, nur Scheinhandlungen zu setzen und nicht wirklich Umweltpolitik zu betreiben. Was sagen sie zu diesem Vorwurf?

Wir brauchen Klimapolitik mit Hausverstand. Die von den Grünen ausgerufene Klimahysterie mit den damit verbundenen Extremforderungen kosten nicht nur Arbeitsplätze und Wohlstand, sondern wir würden uns wieder in die Steinzeit katapultieren. Wels sollte sich daher auf vernünftige Klimaschutzmaßnahmen konzentrieren, wie beispielsweise die Pflanzung von Bäumen, den Ausbau des Radwegenetzes, die Forcierung des öffentlichen Verkehrs und die Schaffung von zusätzlichen Parkanlagen.

Wären Sie auch für eine autofreie Innenstadt, wie die Grünen es fordern?

Eine autofreie Innenstadt ist übertrieben und hätte massive Umsatzeinbußen für Geschäfte und Gastronomie zur Folge. Wels hat das in den 90igern schon einmal am Kaiser-Josef-Platz probiert und ist kläglich gescheitert.

Als nächster Platz soll in Wels der KJ attraktiver werden. Gibt es dazu bereits Pläne?

Wir sind dabei, einen Gestaltungswettbewerb auszuschreiben. Der Bürgerbeteiligungsprozess ist schon fertig, jetzt fehlt noch die Einbindung der Geschäftsleute, Hauseigentümer, Bewohner und Arbeitnehmer. Dann liegen alle notwendigen Parameter am Tisch. Ziel ist ein Kaiser-Josef-Platz mit hoher Aufenthaltsqualität, viel Wasser und Grün.

Was ist eigentlich aus Ihrer Idee geworden, den Semmelturm wieder aufzubauen?

Diese Idee bezog sich auf den Wiederaufbau der Stadttürme. Ich kann mir das noch immer vorstellen, zum Beispiel am Stadtplatz. Das Fischertor würde dem östlichen Teil des Platzes einen schönen Abschluss geben. Diese Idee hat aber nicht die höchste Priorität.

Auch die Kosten sind nicht unbeträchtlich: 600.000 bis zu einer Million Euro müsste man für einen Wiederaufbau budgetieren.

Einerseits erlässt die Stadt einen Grünflächenkennwert, andererseits werden immer mehr Grünflächen zubetoniert. Inwiefern passt das zusammen?

Zuerst einmal, Wels hat sehr viele Grünflächen. Öffentlich zugänglich sind insgesamt 50 Parkanlagen in einer Gesamtgröße von 590.000 Quadratmetern. Wels ist aber auch eine wachsende Stadt.

Immer mehr Menschen möchten in Städten leben, so auch in Wels. Dafür braucht es natürlich auch Platz zum Wohnen. Für jedes neue Bauvorhaben soll es künftig einen Grünkennwert geben. Das heißt: Pro Quadratmeter Bodenversiegelung muss an anderer Stelle Grünfläche entstehen.

Zur Person:

Dr. Andreas Rabl wurde am 24. Oktober 1972 in Wels geboren. Nach der Matura am Schauergymnasium studierte er in Wien Rechtswissenschaften. Von 2003 bis 2015 arbeitete er als selbständiger Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Insolvenz- und Wirtschaftsrecht. 

Rabl ist seit 2001 Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wels. Am 9. November 2015 wurde er zum Bürgermeister gewählt.