Was die Welser SPÖ von Michael Ludwig lernen kann

Was wurde nur Michael Ludwig noch vor zwei Jahren vom linken Flügel der SPÖ angerotzt: Er sei zu rechts, zu wenig Polit-Profi mit Format, zu liebäugelnd mit neoliberalen Themen. Der damalige Gegenkandidat der Parteilinken – Andreas Schieder – hingegen hatte Erfahrung in der Bundespolitik gemacht und war Liebling des roten Establishments. Nur er sollte die beiden Lager der Wiener SPÖ wieder einen und einen starken Kontrapunkt zur damals im Bund regierenden schwarz-blauen Koalition setzen. Der Außenseiter des bösen rechten Parteilagers – Michael Ludwig – wollte sich eher auf Wiener Themen konzentrieren. Eher bodenständig, weniger ideologisch.

Kommentar von Christoph Brückl

Gegen den Willen der Parteigranden hat Michael Ludwig damals die Kampfabstimmung mit 57 Prozent gewonnen – das war 2018. Nun, im Oktober 2020, gewann er mit der SPÖ die Wiener Bürgermeister- und Gemeinderatswahl eindeutig. Pamela Rendi-Wagner lobte nur wenige Stunden nach dem großen Wahlerfolg seinen „sachlichen Kurs“ – diesen Kurs, für den er noch zwei Jahre zuvor als rechtsaußen von seinen Parteikollegen gescholten wurde.

Reindl-Schwaighofer als Welser Andreas Schieder und Klaus Schinninger als Welser Michael Ludwig
Extreme Parallelen zu der Wiener Führungsdiskussion gibt es bei der Welser SPÖ. Der linksromantisierende Johnny Reindl-Schwaighofer wird so wie Schieder von gewissen Parteiideologen als intellektuell, weitsichtig und klarer Kontrapunkt zum politischen Gegenspieler beschrieben. So wie Schieder kommt Reindl-Schwaighofer aber weder bei der Parteibasis noch bei den Wählern gut an. Trotz großer Bemühungen seitens Reindl-Schwaighofers und seiner Gefolgsleute gelang es dem Pragmatiker Klaus Schinninger, die Parteispitze zu erreichen. Doch im Vergleich zu Michael Ludwig hat Schinninger das Spiel noch nicht gewonnen. Reindl-Schwaighofer sitzt noch immer auf seinem Stadtratsposten. Auch demokratische Entscheidungen wie den 10. Listenplatz auf der Gemeinderatsliste scheinen seine überschaubaren Anhänger ungern zu akzeptieren. Anfänglich sollte er gar am 14. Platz gereiht werden, was die Welser Parteilinke erzürnte und als Affront gegen sämtliche sozialistische Werte einstufte.

Gewinnender Pragmatismus gegen sozialistische Vergangenheitsromantik
Die Welser SPÖ sollte lernen, dass man mit pathetischen alten Phrasen aus alten roten Zeiten und pseudointellektuellem Geschwätz nicht bei denen ankommt, die das Ziel einer jeden Partei sind: den Wählern. Diese erwarten sich Realpolitik mit Sachverstand und auch das Ansprechen von unangenehmen Problemen. Dazu ist Klaus Schinninger imstande, wenn er gewisse personelle Altlasten abwerfen kann, die ihn nicht wie ein Klotz am Bein im ohnehin schwierigen Wahlkampf behindern sollten.